Nachhaltigkeit ist mir wichtig. Aber es ist nicht das, womit ich mich positionieren will.
Das war mal anders. Als ich diesen Beitrag zum ersten Mal geschrieben habe, wollte ich mich als nachhaltige(re) Grafikdesignerin positionieren. Inzwischen sehe ich das differenzierter: Nachhaltigkeit ist ein Wert, der meine Arbeit durchzieht – aber kein USP, kein Label, kein Versprechen, das ich so pauschal machen möchte.
Denn ganz ehrlich: Wirklich nachhaltig zu arbeiten ist so gut wie unmöglich. Jede Entscheidung ist ein Kompromiss. Und das finde ich auch völlig okay so.
Was ich mir wünsche – für mich und für meine Kund:innen – ist ein bewusster Umgang mit Ressourcen. Nicht perfekt, aber aufmerksam. Nicht dogmatisch, aber nicht gleichgültig.
Wer Lust hat, mal draufzuschauen, was beim nächsten Druckprojekt möglich ist: Hier sind ein paar Impulse, die ich selbst immer wieder im Blick habe.
Checkliste: Nachhaltigere Entscheidungen im Design & Druck
- Langlebiges Design entwickeln: Ein gutes Design hält länger als eine Saison. Drucksachen, die mehrfach einsetzbar sind oder lange aktuell bleiben, sparen Ressourcen – und oft auch Geld.
- Print vs. digital abwägen: Braucht es wirklich ein gedrucktes Produkt? Und wenn ja – erfüllt es seinen Zweck? Manchmal ist ein digitales Medium die bessere Wahl.
- Auflage realistisch planen: Nur so viel drucken, wie tatsächlich gebraucht wird. Gerade bei Inhalten, die sich häufig ändern, lohnt eine kleine Auflage – und die Nachbestellung wartet dann auf die nächste Aktualisierung.
- Format clever wählen: DIN-Formate nutzen die Druckbögen optimal aus. Sonderformate klingen reizvoll, erzeugen aber oft unnötigen Verschnitt.
- Recyclingpapier in Betracht ziehen: Es ist längst nicht mehr immer grau und unschön. Die Auswahl an hochwertigen Recyclingpapieren ist groß – und oft überraschend schön.
- Farben reduzieren: Schon im Design kann man Farben bewusst einsetzen. Weniger Farbe bedeutet weniger Druckfarbe und oft ehrlich gesagt auch: weniger visuelles Chaos.
- Veredelungen hinterfragen: Folienkaschierung, UV-Lack und Co. machen Recycling schwieriger. Stanzen oder Blindprägen sind umweltfreundlichere Alternativen, wenn eine Veredelung gewünscht ist.
- Mit lokalen Druckereien arbeiten: Kurze Wege sparen Transportemissionen. Und lokale Dienstleister, denen Nachhaltigkeit wichtig ist, sind gar nicht so schwer zu finden.
- Vorhandenes nutzen: Alte Briefbögen als Notizzettel, Reststapel für interne Ausdrucke – kleine Gesten, die trotzdem zählen.
Muss das alles auf einmal umgesetzt werden?
Nein. Wirklich nicht.
Manchmal ist die Frage nicht „nachhaltig oder konventionell?“, sondern schlicht: Was ist gerade möglich? Und dann zählt jeder Schritt – auch wenn es nur der Wechsel auf Recyclingpapier ist, während alles andere gleich bleibt.
Ich finde, es geht nicht darum, perfekt zu sein. Sondern darum, bei jeder Entscheidung neu hinzuschauen – und das Beste zu tun, was gerade geht. Und das ist oft schon mehr, als man denkt.
Titelbild/Mockup: MOYO Studio (bearbeitet)
